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Laufbericht von Norbert Herdt
Erster Zipfelmützenlauf in Großwallstadt

Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt Dinge, die erlebst du garantiert nur einmal im Leben. Umso bedauerlicher, dass niemand einen Fotoapparat dabei hatte, um das Ganze zu dokumentieren. So werden die Bilder dieses außergewöhnlichen Laufevents nur den 19 unentwegten Teilnehmern in Erinnerung bleiben. Aber ich beginne chronologisch:


Es ist der 08.12.2010.
Ich weiß nicht mehr, wer zuerst auf diese blöde Idee kam, Maui oder ich, oder beide gleichzeitig, jedenfalls ist es jetzt 17.45 Uhr und ich fluche zum ersten Mal! Es sind nur noch 15 Minuten bis zum Start unseres allerersten Zipfelmützenlaufs, und die Lichter meiner roten Nikolausmütze wollen sich einfach nicht zum Leben erwecken lassen. Dabei hat es Edith doch auch geschafft! Na ja, Frauen und Technik. Drück mal auf ON, erinnere ich mich! Na also, die geht! Dafür geht es jetzt urplötzlich auch draußen ab! Und wie! Den ganzen Tag trocken, und jetzt - 13 Minuten vor der Premiere unseres neuen „Superevents“- regnet es, was das Zeug hält. Dazu nur knapp 2 Grad, was jetzt so viel bedeutet wie: Noch einmal umziehen, Regenhose drüber, Funktionsjacke obenauf. Jetzt aber los, denn in 7 Minuten ist Treffpunkt bei der „Meta“, der altehrwürdigen Gaststätte in der Ortsmitte und unserem Startpunkt! Von dort aus werden wir heute sämtliche Straßen unseres Heimatortes ablaufen. Auf meinem Navi habe ich alles vorbereitet, wie beim bekannten „Haus vom Nikolaus“ alle Straßen irgendwie so verbunden, dass keine doppelt abgelaufen wird. Aber nun, unterwegs zum Treffpunkt habe ich natürlich kein Netz! Genauso wie neulich, beim Training zum ersten Churfrankenlauf! Damals hatten wir uns im Sulzbacher Wald total verlaufen. 15 Kilometer sollten nach der festgelegten Marschtabelle in ruhigem Tempo und vor allem gemeinsam gelaufen, an bestimmten Punkten noch einige Nachzügler eingefangen werden. Allerdings glaube ich nicht mehr so recht daran! Es regnet jetzt noch stärker. Edith und ich sind noch gar nicht am Treffpunkt, aber die Funktionsjacke klebt schon an meinem Armen! Sicher wird keine Sau am Treffpunkt stehen. Wir sind ganz sicher die Einzigen!
 

18.00 Uhr Treffpunkt „Meta“

Nein, das ist nicht wahr! Sch...   da stehen doch tatsächlich einige rum! Und aus dem „Unterdorf“ tauchen urplötzlich noch mehr Gestalten auf. In Laufschuhen und mit Lichtern behängt. Auch unser Leon ist da. Mit 13 unser Jüngster in der neuen TVG Ausdauersport-Abteilung und ein Riesentalent! Wie ein Christbaum an der Steckdose steht er geschmückt da. Sozusagen als leuchtendes Vorbild für alle, die sich bei dieser Seige doch nicht aufraffen konnten. Ich zähle zum ersten Mal durch, aber ich komme nicht weit. Alles redet nicht nur, sondern läuft auch durcheinander. Kalli ist da und Burkhard. Andree auch, der Neueinsteiger! Sein allererster Lauf mit uns und gleich unter diesen Bedingungen, Respekt! Alex hat auch eine „Funktionsjacke“ Sie besteht aus einer Plastiktüte mit Löchern für Arme und Kopf, Wie damals im Elsass, als wir mit unseren Mountainbikes auf der Abfahrt vom Petit Ballon keine Windjacken dabei hatten und in ein ähnliches Wetter kamen. Seine ist allerdings dichter als meine! Nach meiner kurzen Ansprache zur Strecke, der Ermahnung, zusammen zu bleiben und vor allem, sich an die STVZO zu halten, gelingt es mir doch, das Zählen! Wir sind tatsächlich 14 Leute. 14 Verrückte, die sich gegen die Wassermassen von oben stemmen und die gesamte Laufstrecke komplett absolvieren wollen. Im Geiste versuche ich, die Strecke irgendwie zusammen zu bekommen. Das blöde Navi, ausgerechnet heute wieder, doch dann Aufatmen: das Teil hat Netz! Der große Bruder dort oben hat mich jetzt erkannt! Auch Maui, dem ich den Track vorher gemailt hatte, hat auf seinem Gerät die richtige Taste gefunden! Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten!


18.08 Start am Gasthaus Adler

Los geht’s, der allererste Zipfelmützenlauf beginnt. Wir bewegen uns im mittleren Tempo zunächst Richtung Alte Schule, schwenken dann in die Kirchgasse ein und laufen durch den Reichardshäuser Hof Richtung Quellenstraße. Den kleinen Durchgang zum Main, ein Stück dort unten auf dem Spazierweg und gleich wieder hoch auf befestigten Untergrund in Richtung Hohes Ufer. Irgendein Witzbold hatte dort unten „Hochwasser“ gerufen und sich nach den Schwimmern erkundigt. Ich schau zurück, alle sind noch dran. Nur immer schön aufpassen, dass keiner abreißen lässt und natürlich immer schön aufpassen, wenn wir Straßen queren. Jetzt, wo wir aufgewärmt sind, macht der Regen schon gar nicht mehr so viel aus!
 
18.20 Uhr Friedhofstraße

Nachdem wir schon einige Straßenzüge abgenommen haben, stößt plötzlich aus der Dunkelheit Markus zu uns. Fast wie aus dem Nichts. Jetzt 15 Mann stark, geht`s langsam wieder zurück in Richtung Ortsmitte. Mein Navi führt mich zielsicher! Allerdings dort, wo wir links abbiegen sollen, ist jetzt statt einer Straße, wie früher, der Eingang zum neuen Friedhof. Nein, nur keine Pietätlosigkeit! Ein Friedhof ist schließlich keine Trainingsstrecke. Deshalb geht es jetzt 50 Meter zurück und um die Anlage herum! Zum Glück sagt keine Stimme „bitte wenden!“, dafür eine andere „Hallo!“ Auch Birgit hat uns gefunden! Jetzt haben wir nicht nur eine weitere Verstärkung, sondern auch schon wieder den richtigen Weg auf dem Schirm! Diesmal wieder das gleiche Ziel, der Kirchhof, allerdings von der anderen Seite! Doch auch dieses Mal müssen wir hier nicht durch, denn vor dem Tor geht es links durch das alte Pfädchen zur Frühlingsstraße, in das wir jetzt einschwenken. Unbefestigt, inclusive Pfützen. Hinter mir höre ich ein lautes, langgezogenes Iiiiiiih. Entweder Bianca oder Yvonne, keine Ahnung, jedenfalls gehts jetzt, weils so schön ist, gleich noch ein solches durch bis zur Weichgasse. Dann vorbei am Kriegerdenkmal, bis zum Nordring, rechts schwenk Marsch und dann wieder links Richtung Netto. Der hat noch offen. Aber an der Kasse nur wenig Betrieb. Unserer erstes Zwischenziel ist jetzt fast erreicht und man glaubt es nicht: Der Regen wird…. … noch stärker!

18.35 Uhr Jahn Kampfbahn

Hallo erst mal, wer ist denn das? Als wir in das Sportgelände laufen, um eine Runde zu drehen, schließen sich zwei unbekannte Gestalten an! Als ich nachfrage stellt sich heraus: ein Mädel aus Niedernberg, Michaels Freundin, na klar, Nadine, und ein Läufer aus Elsenfeld, Florian. Sie haben bei Michael nachgefragt, und auch unsere Internetseite gelesen. Ob sie mitlaufen können? Logisch, Ausdauersport kennt keine Vereins- und Ortsgrenzen! 18 Leute sind jetzt auf der Runde im Stadion! So viele wie schon lange nicht mehr! Jetzt wieder heraus Richtung Kreisel, HBLZ, Maintalsaunen und dann ab in den Kreuzpfad. Hier mache ich den Fehler und biege eine Straße zu früh links ab. Deshalb stoßen wir nicht, wie geplant auf den Durchgang zur Gärtnerei Ball, sondern müssen wieder ein Stück zurück auf gleichem Weg! Dafür spüre ich aber irgendwie Sand unter meinen Schuhen. Oder Salz? Die Leute werden gestreut haben. Es ist ja auch bestimmt nur knapp über Null. Nach der Frankenstraße biegen wir in die Birkenstraße, wo plötzlich Günther und Claudia vor ihrem Haus unter dem Vordach stehen. Was für ein Blödsinn, bei dem Wetter geht doch kein Hund vor die Tür! Zurück am Kriegerdenkmal, unserer zweiten Auffangstelle, sind wir doch etwas enttäuscht. Hier steht nur ein einziger weiterer Läufer herum. Unter das Dach der Bushallestelle hat er sich verkrochen! Ich glaube, er hat wohl schon gehofft, dass wir nicht mehr kommen. Bei dem Sauwetter verständlich, aber jetzt muss Claus weiter mit uns! Jetzt gibt es kein Zurück!
 

18.50 Uhr wieder Oberdorf

Irgendwie doch komisch, das Sandgefühl wird immer stärker. Am Marienplatz und am Abzweig alter Brunnen stelle ich fest: Das Oberdorf ist schöner geschmückt ist als der untere Ortsteil! Weihnachtlicher, traditioneller! Zumindest bin ich dieser subjektiven Meinung, denn auch unser kleiner Christbaum am Schießhaus, strahlend beleuchtet, trägt seinen bescheidenen Teil dazu bei. Wir queren jetzt beim Zahnarzt die Straße und schwenken in den Kehlpfad, laufen Richtung Bauhof. Dort, wo sonst „Michel“ wirkt, haben wir etwas helleres Licht und ich sehe, der Sand ist gar kein Sand, sondern Graupel! Damit nicht genug, jetzt fallen hier, auf der Mainstraße zurück Richtung Dorfmitte, urplötzlich Hagelkörner und dann dicke Flocken vom Himmel! Wir biegen am Kinderspielplatz ein in die Jahnstraße, queren die Haupt-, nehmen dann Marien- und Burgunderstraße mit und sind dann wieder in einem Pfädchen. Zurück Richtung Marienplatz. Ab hier dann plötzlich eine geschlossene Schneedecke. Alles weiß und immer weißer, noch dickere Flocken.

19.10 Uhr Ankergasse

Ich rufe nach hinten durch, das wir noch lange nicht am Ziel sind, denn jetzt kommen noch die Pfädchen unterhalb des ehemaligen Ankers bis zur Kirche und dann noch die restlichen Straßen im Unterdorf! Leons Mutter und seine Schwester winken uns aus dem warmen Wohnzimmer heraus zu – was mag sie wohl denken? Die Nibelungenstraße hatten wir vorhin nur gekreuzt und der Anlage hinter dem neuen Kindergarten noch keinen Besuch abgestattet. Dann Wagnerstraße, ein Stück Quellenstraße zum Feuerwehrhaus, vorbei am SV-Sportplatz, bei Carsten und Birgit den Durchgang zur Niedernberger- und dann Richtung Kolping-, Schul-, Friedhof- und Friedenstraße zum alten Feuerwehrhaus. Langsam dringt die Kälte jetzt doch durch. Vor allem meine Lauf-Handschuhe sind nicht wasserdicht! Zu xten mal schaue ich auf das Navi. Nur muss ich seit einigen Minuten zuerst immer die Schneeschicht darauf entfernen. 19.30 Uhr Frühlingstraße. Wir biegen ein zum Scherers Günther. Häckerwirtschaft! Wein! Gesang! Häckerworscht! Nix da, weiter geht’s und es schneit was das Zeug hält. Tommi und Corinna laufen neben mir. Ich sage: „Was für ein verrückter Lauf, wir hatten heute schon alle Wetter“! Genau in dem Moment ein Lichtblitz, kurz darauf Donnerhall! Ok, denke ich, dann halt jetzt! Irgendwie wird es hinter mir aber immer ruhiger. Ist es Erschöpfung oder Angst vor einem möglichen Gewitter im Schneetreiben? Egal, weiter geht’s, Weichgasse queren, dann Haaggraben und dann an der Weinstube Hohm vorbei, Ankergasse runter und auf den Spazierweg an der Mainanlage! Dann links und schon wieder Richtung Kirche. Welche Straße fehlt noch? Genau, die Schmalzgasse! Letzte Straße, rufe ich hinter mich und höre, wie das Kommando jetzt nach hinten durchgerufen wird! Tommy ist da aber schon längst enteilt, wartet am Adler auf uns!
 

19.45 Uhr Gasthaus Adler

Geschafft, völlig durchnässt, aber es ist geschafft. Wir haben den ersten Zipfelmützenlauf hinter uns gebracht. Zwar mit moderatem Tempo, wie vereinbart, aber für einige Neueinsteiger doch eine großartige Leistung. Wir versammeln uns noch einmal vor der Gaststube, ich sage noch etwas von historisch oder so, und Maui, der die ganze Zeit den Schlussläufer gemacht hat, nickt. Dann kurze Verabschiedung und wieder kein Foto. Aber was soll`s. Diese verrückte Tour hätte sicher keine Kamera der Welt durchgestanden. Dafür verabreden wir uns nach dem Duschen noch auf ein halbes Hähnchen und ein Bier. Jeder läuft jetzt in eine andere Richtung. Dahin wo es warm ist. Dahin wo die verdiente Dusche wartet. Auf den letzten Metern bis nach Hause müssen Edith und ich die Füße ganz schön heben. Der Schnee ist jetzt fast knöcheltief. Der Bommel unserer Zipfelmützen wiegt jetzt mindestens ein Kilo. Kurz vor der Haustüre rutscht sie Edith vom Kopf und liegt völlig durchgeweicht im Schnee. Meine blinkt immer noch! 
                                                                                                                          
                                                                                                                                  Norbert Herdt

Streckenverlauf unter:
http://www.tvg-ausdauersport.de/index.php?option=com_content&view=article&id=54&Itemid=42

Die Teilnehmer:
Claus Blank, Thomas Deckert, Karlheinz Eppig, Leon Fiedler, Florian Frank , Birgit Geis, Carsten Geis, Michael Greco, Yvonne Hein, Edith Herdt, Norbert Herdt, Corinna Kalbfleisch, Andree Karrer, Bianca Kolpak, Thomas Mauerhoff, Burkhard Müller, Nadine Scheidler, Markus Völker, Alexander Zengel,