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Athletenbericht: New York City Marathon von Alex Wasse am 03.11.2019

 

Viele Jahre hatte ich darüber nachgedacht, letztes Jahr endlich die Qualifikation in Angriff genommen und am 3.11.19 war es dann soweit, der Tag des Marathon in meiner alten Heimat! Zuvor hatten Claudi Hille und ich einige schöne Tage in der City verbracht. Dem Flair des Zieleinlaufs im Centralpark haben wir uns schon am Tag zuvor nicht entgehen lassen! Es war Multi-Kulti und patriotisch wie die Amis sind, waren bereits alle Flagge gehisst! Selbst am Tag zuvor waren wir bereits die Helden als unsere Marathon-Teilnahme zum Thema wurde. Der nette Herr im Starbucks wollte uns den Kaffee umsonst geben und in 30 Minuten war ich am JFK noch nie durch den Zoll! Ob ich das jetzt immer als Begründung bei der Einreise angeben kann?

Meine Vorbereitung lies zu wünschen übrig, ich hatte nicht einen 30iger in den Beinen und war 8 Tage vor dem Marathon mit einem Magen-Darm-Infekt flach gelegen! Durch das Treiben in NY und die quirlige Claudia an meiner Seite war ich jedoch gut abgelenkt, so dass ich vor dem Start ziemlich ruhig war! Nur aufgrund der Kälte haben meine Beine vor dem Start geschlottert! Ich wusste dass wir bei 3-4 Grad 2 Stunden vor dem Startblock warten müssen und habe mir alte warme Klamotten zusammen gesucht, dem Spender Heiko sei Dank!
Die Anreise zum Start verlief problemlos, dauerte aber seine Zeit, was ich so gar nicht gewohnt bin! Also musste eine 2. Mahlzeit vor dem Start her! 2 Stunde vor Start öffnete das Gate und wir konnten uns auf der Brücke aufstellen und die warmen Klamotten mussten wir zu meinem Leidwesen hergeben! Übrigens laufen nun Obdachlose mit Heikos gelben 80iger Jahre Radjacke in NYC umher! Jährlich werden 40.000 Obdachlose von den Marathonis auf diese Art eingekleidet!

Und dann wurde es ernst! Aufstellen, die Nationalhymne, Helikopter des NYC Police-Department überall und dann erfolgte der Startschuss! Die Menge jubelte, aber nicht sehr lange, denn es ging gleich mal einige HM auf die lange Brücke hoch! Es war kalt und sehr windig, ich lief auf dem unteren Deck und plötzlich rechts und links 2 Helikopter, die quasi neben uns auf Brückenhöhe schwebten! 2x Gänsehaut (nach der Hyme) an dem Tag!


Die ersten 20 km liefen ganz gut! Ich lief im Schnitt das vorgegebene Tempo meiner Trainerin, einziges Manko: mein geliebter Vorfuss begann schon nach kurzer Zeit zu schmerzen! Der Plan war, dass meine Freundin, die bei KM 26 auf mich wartete, meinen Schuh öffnet und den Fuß kurz bearbeitet, so dass ich schmerzfrei weiter laufen kann! Also kämpfte ich mich weiter und konzentrierte mich auf die Zuschauer, die wie von Sinnen waren! Ein Anstieg in Brooklyn erinnerte mich an den Solarer Berg, es war einfach gigantisch!

Die letzte Brücke vor KM 26 war ein harter Anstieg, aber ich wusste mich erwartet eine kurze Erlösung nach der Brücke, doch dann die Schrecksekunde, oder war es doch Freude?: in 6er-Reihen standen die Zuschauer nach der Brücke an der abgesperrten Strecke und mit war klar, dass meine Freundin nicht zur Hilfe kommen wird! „Egal“ dachte ich mir, alles überbewertet, ich wollte schon immer hier laufen, also laufe ich auch, Schuh kann ich später im Ziel noch ausziehen... und es ging irgendwie weiter! Bei KM 30 kamen Magenprobleme hinzu und die allgemeinen Ermüdungserscheinungen, ich kämpfte um meine Pace weiter hoch zu halten! Dann kam mir die geniale Idee 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, ich peilte das nächste Dixie WC an und trat während dem Aufenthalt dort fest auf meinem schmerzenden Fuß herum, um diese zu durchbluten... und siehe da, es ging mir viel besser und ich lief mein Tempo weiter dem Magen und dem Fuß ging’s besser!
Die letzten 10 km waren ein Wechselbad der Gefühle, angetrieben von der Menge und die große Lust mich einfach im Straßengraben nieder zu lassen! Ich muss dazu sagen, dass die letzten 10 Kilometer quasi nur aus hügligem Asphalt bestehen, bergauf ist ja schon fies, aber selbst das abwärtslaufen war zu dem Zeitpunkt nicht mehr spaßig, die Zuschauer trugen mich jedoch förmlich ins Ziel! Der Zieleinlauf war hart, die Helfer im Zielbereich so liebevoll und wertschätzend, dass ich erst mal meiner Anspannung nachgab und die Tränen laufen lies! Ich hatte es geschafft, aus emotionaler Sicht eines der größten Events an denen ich Teil genommen habe, sportlich gab es bessere Wettkämpfe, aber das rückte in den Hintergrund! Erleichtert traf ich nach ca 20 Minuten Claudia, die ebenfalls gut gefinished hat! Es war mir eine Ehre sie bei ihrem letzte Marathon zu begleiten!

Vielen Dank an euch fürs mitfiebern und die zahlreichen Glückwünsche die mich erreicht haben!

Eure Alex