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Frankfurt Marathon 2012

Ein Bericht von Markus Hold

Eigentlich stand für mich der München Marathon in diesem Jahr als Highlight auf dem Programm, aber es sollte anders kommen. Berufliche Termine wirbelten meinen Trainingsplan gehörig durcheinander, und ich sah mich mit zwei Wochen Trainingsrückstand konfrontiert, der für München nicht mehr aufzuholen war. Kurz entschlossen meldete ich mich für den genau zwei Wochen später stattfindenden Frankfurt Marathon an, und nutzte in München bei frühlingshaften Temperaturen die letzten 26km als Trainingslauf mit dem Ziel, Armin unter die magische Marke von 4:00:00 zu ziehen. Es gelang uns nicht ganz: Armin finishte in 4:04:47, was für ihn immerhin persönliche Bestzeit bedeutete. Mein Trainingsplan für Frankfurt war damit halbwegs gerettet.

Ich zähle mich wahrlich nicht zu den Menschen denen ein bevorstehender Marathon Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte bereitet, aber diesmal war auch das ein wenig anders. Der Wetterbericht sagte Wintereinbruch voraus mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee bis ins Flachland. Beim Skifahren lasse ich mir das gerne angehen, aber beim Laufen sind mir Temperaturen jenseits von 20° eindeutig lieber - meine persönliche Bestzeit bin ich ja nicht umsonst bei sommerlichen Temperaturen im Jahr zuvor auf Mallorca gelaufen. Ein Marathon bei Minusgraden? Das geht gar nicht. Aber dennoch, meine Zielvorgabe war klar: 3:39h sollten am Ende auf der Uhr stehen, komme da was wolle.

Immerhin schien die Sonne als wir gegen halb neun in Frankfurt ankamen, das nasse Schmuddelwetter, das noch am Tag zuvor während der Nudelparty herrschte war Schnee von gestern. Aber es war kalt. Saukalt. Ich dachte lange darüber nach was ich anziehen sollte. Eine lange Laufhose schien mir für einen Wettkampf etwas daneben, so entschied ich mich für eine halblange Tight, T-Shirt und dünne Laufjacke mit langen Ärmeln, die ich bei Bedarf bei km13 auf der Alten Brücke dem Norbert in die Hand drücken konnte. Ein letztes Gruppenfoto vor dem Stand vom Main-Ausdauer-Shop und es war an der Zeit zum Start zu gehen, raus aus der kuscheligen Halle wo uns ein eisiger Wind in Empfang nahm. Mit meiner kurzen Hose kam ich mir dabei irgendwie fehl am Platz vor, aber ich war ja zum Glück nicht der Einzige.

Es ging los. Wir starteten in der ersten Welle und überquerten nach ca. 5 Minuten die Startlinie. Wir, das waren nach kurzer Zeit nur noch Erich und ich, Tommy und Kalli starteten schneller, alle anderen langsamer als wir. Erich hatte sich in den Kopf gesetzt dicht an mir dran zu bleiben, wohl wissend, dass ich es im Wettkampf gar nicht leiden kann einen Begleiter zu haben. Erich war jedoch ein sehr angenehmer Weggefährte - ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Ab und zu liefen wir nebeneinander und wechselten ein paar Worte, meist stellten wir fest, dass wir für eine 3:39er Zeit etwas zu schnell unterwegs waren. Bis zur Halbmarathonmarke sollte das dann auch so bleiben.Markus Hold beim Frankfurt Marathon

Ich fühlte mich erstaunlich gut und mein Puls lag niedriger als jemals zuvor in einem vergleichbaren Wettkampf. Lag es an den niedrigen Temperaturen die mir möglicherweise sogar entgegen kamen? Die Kilometer flogen nur so vorbei und auf der Alten Brücke winkten uns Edith und Norbert zu, der gleich noch ein paar Bilder von uns machte. Gleich dahinter standen auf der anderen Seite meine Frau Christine und Tochter Carolin, die extra aus Gießen angereist war. Ich hatte kurz zuvor beschlossen meine Laufjacke anzulassen - Erich hingegen zog seine Jacke aus und reichte sie Norbert. Weiter ging es aus der Stadt hinaus Richtung Höchst und immer noch standen tausende Menschen rechts und links der Laufstrecke, die uns Läufer unermüdlich anfeuerten.

Bei exakt 1:47:00 überquerten wir die Halbmarathonmarke und ich rechnete kurz nach, dass ich unter Beibehaltung dieses Tempos in 3:34h im Ziel sein würde, fünf Minuten vor Plan. Ich checkte erneut meinen Puls - er lag noch immer gut im grünen Bereich, doch alleine die Vorstellung fünf Minuten zu schnell zu sein gab mir zu denken und ich reduzierte jetzt ohne akute Not deutlich mein Tempo. An dieser Stelle trennte ich mich von Erich, der unser bisheriges Tempo unbeirrt weiter lief.

Bei km24 ging es auf die Mainbrücke und da ich nun nicht mehr mit vollem Tempo unterwegs war und der Wind hier recht kräftig blies, fing ich an zu frösteln und war zum ersten Mal froh, dass ich meine Laufjacke noch an hatte. Es ging jetzt hinein nach Höchst Richtung Wendepunkt und kurz danach lief man den Läufern, die noch etwas hinter einem selbst unterwegs waren, auf der anderen Straßenseite entgegen. Ich sah Michael - er hatte sich offensichtlich von Ivy und Maui abgesetzt und mir war klar dass er mich bald einholen würde, denn so wirklich gut drauf war ich bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die nächsten 5km auf der Mainzer Landstraße waren dann auch der reinste Höllentrip, der kalte Wind blies mir entgegen und ich spürte wie meine Kräfte in den Beinen nachließen, allerdings immer noch ohne erkennbaren Grund. Mein Puls war in Ordnung und auch hatte ich keinerlei Anzeichen von Krämpfen. Irgendwo in dieser Eiswüste sah ich Norbert und Edith, die anfing neben mir her zu laufen und mir eine Flasche Cola reichte. Ich trank ein paar Schluck und bedankte mich artig - zu weiterer Konversation war ich bereits nicht mehr fähig.

Jedenfalls gab mir die Cola etwas Kraft und ich war bald darauf froh wieder in der Stadt zu sein. Ich war langsam geworden auf den letzten paar Kilometern, sehr langsam und so versuchte ich zu beschleunigen, aber es wollte mir trotz mehrerer Versuche nicht mehr gelingen. Bei km35 war ich bereit das Rennen aufzugeben und ging nach links raus.

Ich trabte eine Weile gedankenlos den Gehsteig entlang und suchte nach einer Möglichkeit auf dem schnellsten Weg ins Warme zu kommen, denn jetzt wurde mir richtig kalt. Ich ärgerte mich und dachte an den verpassten Zieleinlauf in die Festhalle. Ich sah auf meine Uhr und stellte fest dass ich, auch wenn ich von nun an nur halbwegs ordentliches Trainingstempo laufen würde, immer noch mein Alternativziel erreichen könnte: persönliche Bestzeit unter 3:46:48. Also lief ich weiter. Kurz darauf überholten mich Ivy und Maui der mir zurief mich dranzuhängen. Der Versuch scheiterte jedoch kläglich und so joggte ich mehr schlecht als recht weiter.

Nach 3 oder 4 weiteren Kilometern musste ich erneut eine Gehpause einlegen und mir war klar, dass ich auch mein erstes Alternativziel nicht mehr erreichen würde. Aber ich hatte mir ein letztes Ziel zurechtgelegt und das hieß Stefan. Mein Freund und Erzrivale Stefan hatte mich noch nicht eingeholt und damit das auch so blieb lief ich weiter. Am letzten Verpflegungsstand blieb ich nur kurz stehen um einen vollen Becher Cola reinzukippen und weiter ging es auf die letzten zwei Kilometer. Ich mobilisierte meine allerletzten Kräfte und kam noch einmal richtig in Fahrt, ärgerte mich erneut über den eiskalten Gegenwind auf der Zielgeraden und lief mit 3:49:06 über die Ziellinie, 56 Sekunden schneller als Stefan, wie sich später herausstellen sollte.

Ich habe im Nachhinein keine große Lust den Lauf zu analysieren. Vielleicht bin ich doch zu schnell angegangen, vielleicht war es aber einfach nur zu kalt. Mein Marathon-Highlight für 2013 steht bereits fest und heißt: Challenge Roth. Im Juli. Bei mindestens 20° Celsius.