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Bericht vom Ironman Frankfurt 08.07.2012 von Yvonne "Yvi" Hein (Yvonman)

Ironman Frankfurt Bericht Yvonne Hein vom 08.07.2012

 

Tage wie diese…

Meine erste Langdistanz beim Ironman Frankfurt 

 

Sonntag 08.07.2012

 

Endlich war es soweit, nach 9 Monaten intensiven Training, vielen Entbehrungen, aber auch viele lustige und schöne Trainingsstunden, kam der Tag an dem ich zur „Eisenfrau“ werden wollte.

Dieser Traum sollte heute in Erfüllung gehen!

 

Um 2:30 Uhr standen Maui und ich auf, um genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück zu

haben. Aber ich hatte noch keinen Hunger, da ich abends zuvor eine dicke, fette Salamipizza mit extra Käse gegessen hatte. So würgte ich nur ein Nutellabrötchen rein und trank eine Tasse Ovomaltine und Kaffee. Beim Anziehen steckte ich einen kleinen Glücksbringer, in Form eines Engels in meine Triathlonhose, den ich einen Tag zuvor von meiner Freundin Christel bekommen hatte. Darauf stand, “Ich bin immer an deiner Seite!“

Um halb 5 kamen die zwei Corinnas vorbei, um mit uns an den Langener Waldsee zu fahren.

Bis dahin war ich noch gar nicht aufgeregt, denn ich freute mich ja, dass es los ging.

Dort angekommen hörte man schon die Partymusik von HR3 und es waren schon

Tausende von Zuschauern am See. Da bekam ich zum ersten Mal Gänsehautfeeling!

 

In die Wechselzone durften nur die Athleten, so verabschiedeten wir uns von den Corinnas,

die uns noch mal fest drückten und uns viel Glück wünschten.

Wir gingen an unseren Wechselplatz, pumpten die Räder wieder auf (wir hatten die Luft beim Einchecken einen Tag zuvor abgelassen, da ganz viele Reifen durch die Hitze platzten), räumten unsere Nahrung ein und machten uns für den Schwimmstart fertig.

 

Um 6.45 Uhr war der Start der Profis und den Altersklassenathleten. Es wurde die Deutsche

Nationalhymne gespielt und hier hatte ich zum ersten Mal Tränen in den Augen.

Als der Startschuss für diese Gruppe fiel, durften dann die restlichen 2300 Athleten in den See.

Maui und ich schwammen relativ weit vor an die Startlinie. Hier gab es schon Gedrängel und Beintritte, dabei hatte das Rennen noch gar nicht angefangen. Und jetzt machte ich auch noch den Fehler und schaute mich um. Ich sah nur noch rote Badekappen im Wasser und am Schwimmeinstieg. Panik stieg in mir auf und ich war kurz vorm hyperventilieren.

Dann sagte ich zu mir, bleib locker, du weißt, dass du schwimmen kannst und die Anderen kochen auch nur mit Wasser.

Als um Punkt 7 Uhr der Startschuss fiel, ging das Geprügel im Wasser los. Von beiden Seiten hagelte es Schläge, bei dem einer davon meine Schwimmbrille traf, die mir ins Auge rutschte. Ich dachte schon, dass ich wohl ein schönes Feilchen als Andenken bekam. Yvi nach dem SchwimmenManche versuchten auch über mich drüber zu schwimmen. Nein, dachte ich, heute lasst ihr mich in Ruhe und setzte meinen Beinschlag zur Abwehr ein und siehe da, es funktionierte. Ab und an merkte man noch mal einen Ellenbogen, besonders dann, wenn es um die Wendebojen ging. Als ich dann nach 2,1 km den kurzen Landgang absolvierte, sah ich schon Norbert, mit Foto bewaffnet, stehen. Ich sah auf meine Uhr, um kurz zu checken, wie schnell ich unterwegs war. 34 Minuten, das war zu schnell, ich musste auf den restlichen 1,7 km etwas ruhiger schwimmen, um auch meinen Puls wieder runterzubringen. Aber leichter gesagt, als getan, denn die Meute zog einen einfach mit und so kam ich mit einer Schwimmzeit von 1.05 Stunde und ohne größere Blessuren an den Schwimmausstieg.

 Yvi vor dem Radfahren

Auf dem Weg zur Wechselzone wurde man von den vielen Zuschauern, untern denen auch einige Großwallstädter waren, bejubelt! Im Umkleidezelt zog ich meinen Neo aus, lief ans Rad, zog meine Schuhe, Startnummer, Handschuhe, Helm und Sonnenbrille an und schob das Rad aus der Wechselzone. Dabei aß ich schon meinen ersten Energieriegel.

 

Als ich dann auf der Radstrecke war, fing es an zu regnen. Nach 1 km fuhr Maui an mir vorbei, ich dachte, er wäre schon über alle Berge, denn im Schwimmen waren seine Zeiten immer besser als meine. Innerlich musste ich aber dann schon mal grinsen, dass ich ihn heute geschlagen hatte! Wir wünschten uns eine gute Fahrt und weg war er!

Der Regen wurde immer stärker, die Straßen standen nach kürzester Zeit unter Wasser. Yvi im RegenNur gut, dass wir die Strecken schon mal im strömenden Regen abfuhren und so wusste ich wie mein Rad reagierte. Ich fuhr in Hochstadt volle Düse über das Kopfsteinpflaster, überholte dabei ganz viele Männer, die sehr verhalten fuhren, da es ja bekanntlich eine sehr rutschige Angelegenheit war. Bei den Abfahrten trat ich  richtig rein um schneller zu werden und die nassen Kurven bewältigte ich auch ohne wegzurutschen. Lediglich ein Gullideckel wurde mir fast zum Verhängnis, aber ich fing mich gut und mied die restliche Strecke, weitere Gullideckel. Der Regen wollte gar nicht aufhören und jetzt kam zu allem Übel noch starker Wind dazu. Hier fiel mir Norberts Lieblingsspruch ein, „ein Berg ist ein fairer Gegner, den man bezwingen kann, aber der Wind nicht!“ Ich schaute um mich, der Himmel war so weit man schauen konnte grau, auf keiner Seite ein Fünkchen Hoffnung, dass es noch mal aufreißt. Auf der Haut tat der Regen schon weh, in den Schuhen stand das Wasser und ich fing an zu frieren.

Als ich Richtung Frankfurt fuhr um in die zweiten Runde zu starten, kam endlich die Sonne raus. Das tat vielleicht gut, ich merkte wie wieder Leben in meinen Körper kam.

In der Innenstadt waren dann ganz viele Leute, die einem zujubelten und plötzlich hörte ich jemanden meinen Namen rufen, ich drehte mich um und sah meinen Cousin Eugen, der extra aus der Nähe von Hagen angereist war, um mich an diesem, für mich wichtigen Tag zu unterstützen. Gut gelaunt, startete ich in die zweite 90 km-Runde. Da es jetzt nur noch vereinzelt regnete, waren doch noch mehr Zuschauer auf die Strecke gekommen, um uns Athleten anzufeuern. Auch Norbert, der rasende Fotograf sah man des Öfteren auf der Strecke.Yvi in der 2. Radrunde

In Bergen Enkheim peitschten mich die Zuschauer den Anstieg „The Beast“  hinauf und oben wurde ich von einem Moderator namentlich willkommen geheißen, das war schon richtig geil!

Jetzt kam wieder die tolle langgezogen Abfahrt Richtung Hochstadt, hier konnte man richtig Gas geben und Geschwindigkeit aufnehmen. Dort angekommen war wieder das berühmt, berüchtigte Kopfsteinpflaster mit leichtem Anstieg, das die Einheimischen liebevoll „The Hell“ nannten. Nicht umsonst stand in vielen Vorberichten, dass das eine echte Herausforderung für Mensch und Material war. Und so sollte es auch bei mir kommen, denn ich fuhr wieder voll Speed über das Pflaster und als ich wieder auf der Straße war, schleifte mein Vorderrad. Oh nein, dachte ich, und das bei km 120. Ich hatte ja noch 60 km vor mir. Mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich weiter und das Schleifen wurde immer lauter. Es half nichts, ich musste anhalten und nachsehen und da ich sowieso ganz arg aufs Klo musste, suchte ich mir das nächste Gebüsch aus und verband das eine mit dem anderen. Leider konnte ich nicht auf die Schnelle ausmachen woher das Schleifen kam und so setzte ich die Fahrt durch die Wetterau fort und betete, dass es bis Frankfurt gut gehen würde! Diese 60 km hatten es noch mal in sich. Starke Sturmböen zogen einige Körner und noch dazu erwischte mich eine direkt, als ich meine Trinkflasche aus der Halterung nehmen wollte. Ich ließ die Flasche fallen und hielt den Lenker mit beiden Händen ganz fest. Puuuuhhh noch mal gut gegangen, fast hätte es mich geschmissen. So jetzt brauchte ich noch etwas Ablenkung da die Strecke bis Bad Vilbel in der Einöde verlief, keine Zuschauer zum Anfeuern da waren und sich auch  niemand mit mir unterhalten wollte, begann ich Kinderlieder zu singen. Ich dachte mir, wenn mich jetzt einer überholt, der denkt bestimmt ich wäre übergeschnappt! War ich aber nicht und so fuhr ich richtig locker weiter bis ich in Bad Vilbel eintraf. Hier gab’s noch mal einen langen Anstieg, den „Heartbreak Hill“ zu meistern. Anders als bei der ersten Runde waren jetzt ganz viele Leute da und jubelten mir zu und riefen meinen Namen. So fährt man natürlich leichter einen Berg hoch. Oben angekommen freute ich mich, da ich wusste, dass es jetzt bis Frankfurt Innenstadt leicht abwärts ging und ich es noch mal richtig laufen lassen konnte. Aber auch dieses Mal sollte meine Rechnung nicht aufgehen. Wir hatten heftigen Gegenwind und so wurde aus dem geplant, lockeren Ausfahren ein Kraftakt, der noch mal die letzten Reserven raubte.

 

Als ich in die Wechselzone 2 einbog hörte ich schon meinen Namen. Hier standen die zwei Corinnas mit meinen Kindern Fabio und Dario. Ich freute mich ganz arg, dass sie da waren! Ich lief Richtung Wechselzelt, nahm meine Wechselbeutel auf und zog mich um. Radschuhe aus, die nassen Socken mussten gewechselt werden, sonst gibt’s Blasen. Ich entschied mich für meine Kompressionsstrümpfe, die immer vorbeugend gegen Wadenkrämpfe sind. Leider waren meine Füße so nass, dass ich sie schlecht anbekam und so relativ lange im Wechselzelt (6 Minuten) saß. Ich hörte schon die hämische Bemerkungen, die Maui immer  über meine schlechten Wechselzeiten machte.  Er fragte mich dann immer, ob ich mich geschminkt hätte oder die Nägel lackiert hätte!

Nein, ich wollte mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und dachte mir, dass ich ja noch lange unterwegs wäre, da kommt es auf 3 Minuten auch nicht mehr an.

 Yvi beim Laufen

Als ich dann endlich fertig war ging es raus auf die Laufstrecke, hier waren ganz viele Zuschauer und auch viele unserer Freunde und Bekannte mit gebastelten Motivations-Plakaten. Das gab natürlich noch mal Kraft für die letzten 42 km! Ich lief natürlich erst mal wieder zu schnell los, hörte innerlich schon wieder Maui mit mir schimpfen, denn die Vorgabe war 6er Schnitt zu laufen. Also drosselte ich mein Tempo und lief relativ gleichmäßig. Auch auf der Laufstrecke gab’s heftigen Gegenwind und als ich über die Brücke auf die andere Mainseite (Sachsenhausen) lief, wehte es mir fast meine Kappe weg, ich konnte sie gerade noch festhalten, sonst hätte ich ein Problem mit der Sonne gehabt. Auf dieser Mainseite stand dann wieder mein Cousin Eugen, der voller Begeisterung ein Stück mit mir lief und meinte, „ egal, was noch passiert Kleines, ich bin jetzt schon ganz stolz auf Dich!“ Ich war so gerührt und ich merkte, wie meine Augen feucht wurden. Auch alle unserer Freunde wechselten sehr zügig die Mainseiten und unterstützen uns auf der Laufstrecke. Auch dies war eine sportliche Meisterleistung!!!! Vielen Dank hier schon mal vorab!!!!!

Ich hatte schon zwei Frotteebändchen (pro 10,5 Kilometer gab’s ein Bändchen) und war auf dem Weg in die dritte Runde, als ich bei Kilometer 25 merkte, dass jetzt wohl schon der Mann mit dem Hammer kam. Zu früh dachte ich, ermahnte mich, locker zu laufen und puschte mich mental mit dem lang ersehnten Zieleinlauf auf.  Vielleicht hätte ich mehr Kohlenhydrate zu mir nehmen sollen, aber ich getraute mich nicht, diese blöden Gels zu nehmen, da ich in einigen Wettkämpfen schon schlechte Erfahrungen, in Form von Magenkrämpfen, gemacht habe. Dies wollte ich auf keinen Fall riskieren, die Strecke war noch zu lange und so trank ich nur noch Cola und aß 2 – 3 kleine Salzbrezelchen und 1 Tuck. Aus meinem 6er Schnitt wurde ein 6:20er, aber ich fühlte mich gut und dachte kein einziges Mal über Gehpausen nach. Nein, ich lief, bis auf die Getränkestationen, bei denen ich Cola aufnahm, durch. Selbst die kleinen Anstiege über die Brücken, bei denen andere gingen, lief ich. In der letzten Runde besuchte ich noch mal das Dixiklo, puuuhhh, das war noch mal wichtig, fast hätte ich in die Hose gepinkelt. Ich dachte, das hört ja gar nicht mehr auf und so verließ ich nach geschätzten 3 Minuten das Häuschen und machte mich auf die letzten 7 Kilometer. Yvi im ZielkanalAls ich das letzte Bändchen bekam und ich nur noch 1 km bis zum Ziel hatte, merkte ich wie es am gesamten Körper kribbelte. Ich wusste, dass ich es geschafft hatte, konnte es in diesem Moment kaum glauben.

Die Helfer, die mir das Band anlegten, wünschten mir alle einen tollen Zieleinlauf und auch Hubsi, der schon sein Fahrrad in der Wechselzone abholte hörte ich noch rufen „Yvi, genieße den Zieleinlauf“.

Und so lief ich den roten Teppich Richtung Römer entlang. Hunderte von Zuschauern riefen meinen Namen und klatschten mich ab; und als ich dann in die Nähe der 2 Tribünen kam, hörte ich meine ganzen Freunde schreien. Ich wusste gar nicht wo ich überall hinschauen sollte, es waren so viele da und es war einfach der Hammer. Ich kam mir vor, als ob ich Europameisterin geworden wäre!

 

Im Zielkanal bekam ich dann meine Medaille und wurde von einem Helfer in den Athletengarten begleitet. Siegerbild YviDabei sah ich noch mal meinen Cousin Eugen, der mich vor lauter Freude ganz fest drückte. Irgendwie konnte ich es immer noch nicht so wirklich glauben, ich war eine „Eisenfrau“! Mir ging es muskulär und auch körperlich so gut, ich musste mich nicht mal kurz setzen und so ging ich gleich, nachdem noch ein Finisherfoto gemacht wurde, in den Duschbereich. Als ich am Ausziehen war hörte ich Maui rufen, „Yvi, wo bist Du, Du Tier!“ Ich ging zu ihm und wir umarmten und gratulierten uns. Ich glaube er war ganz schön stolz auf mich, aber er hat ja immer an mich geglaubt und sagte noch am Morgen, dass ich das ganz souverän durchziehen würde, denn wir hätten super trainiert. Nach dem Duschen bekam ich noch eine tolle Massage, ich aß noch eine Kleinigkeit und dann gingen wir zum Ausgang…

 

Dort warteten alle unsere Freude mit den  Plakaten und sangen „so sehen Sieger aus“. Mir kamen sofort die Tränen und die anderen Leute schauten ganz neugierig und waren wohl ziemlich neidisch, dass sie nicht so einen tollen Fanclub hatten!!! Nachdem wir uns alle gedrückt hatten, machten wir uns Richtung Wechselzone 2 um unsere Räder und Wechselbeutel abzuholen und wir machten uns auf den Heimweg. Wir gingen noch mal auf ein Bierchen mit in den Bayrischen Hof wo wir noch ganz toll mit einem Wunderkerzenempfang überrascht wurden! Als wir dann nach Hause kamen, war ein riesen Glückwunsch-Banner am Hauseingang befestigt. Danke an Günter, Claudia und Maurice! Wer hat eigentlich von euch die tollen Bilder gemalt? Nur die Läuferin konnte ich nicht sein, die hatte zu viel Brust! Grins!

In dieser Nacht konnten wir nicht schlafen, wir waren einfach noch so aufgeputscht und ich konnte das alles noch gar nicht verarbeiten! Wahrscheinlich wird das auch noch eine Zeit lang dauern!

 

Nochmals vielen Dank an euch alle (habt bitte Verständnis, dass ich nicht jeden einzeln aufzähle, sonst ist der Bericht 20 Seiten lang) für die super Unterstützung am Wettkampftag,  auch für das Verständnis meiner Freunde, Clique, dass ich in den letzten Monaten, durch das viele Training kaum Zeit für sie hatte!

Meinen Kindern danke ich, die oft auf mich verzichten mussten und nie meckerten und mir einige Arbeit rund ums Haus abnahmen!

Meinen Eltern, die leider erst an diesem Tag aus dem Urlaub kamen, aber im Gedanken und Gebeten bei mir waren und natürlich Maui, der immer an mich glaubte!Yvi und maui im Ziel

 

Jetzt werde ich immer gefragt, was wir mit unserer vielen freien Zeit machen?

Jemand hat am Sonntag gesagt, dass Maui jetzt wohl Gärtner wird. Die Idee fand ich super, denn ich kann ihn mir gut mit Gartengeräten bewaffnet, vorstellen.

Und ich werde mich wieder intensiver um meinen Haushalt, Kinder und ……..Sport kümmern!

 

Edith, du warst etwas traurig, dass du an diesem Tag nicht dabei sein konntest!

Du kannst dafür beim nächsten Mal mit, denn ich glaube nicht, dass es bei diesem einen Ironman in meinem Leben bleibt. Dafür habe ich zu wenig gelitten!

 

Eure Yvi