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Athletenbericht Nadine Scheidler: BMW Marathon Frankfurt 30.10.2011

Das Glück liegt gleich hinter den Schmerzen!

Die letzten Tage waren nicht leicht für mich!

Ich ging „schwanger“ mit dem Marathon. Mich plagten Selbstzweifel und „Phantom- Schmerzen“. Ängstlich blickte ich dem magischen Datum- dem 30.10 entgegen- gleichzeitig wünschte ich mir endlich von meiner selbst auferlegten Last befreit zu werden.

Am 29.10 auf der Pasta Party lief ich mit großen Augen durch die gigantische Festhalle. Mir wurde nun klar, dass das kein „Honisch Lauf“ ist. Wieso hast du dich nicht mit deinem Staffelplatz zufrieden gegeben? das hier ist riesig und vielleicht doch zu groß für dich! Jetzt habe ich die Startunterlagen und irgendwie muss ich morgen diese Festhalle erreichen- egal wie!

Zu hause angekommen packte ich meine Marathon Tasche-  wie für eine Reise.

Wieder erwarten schlief ich recht gut- bevor ich mit meinem ehrgeizigen Lebensgefährten meine ganz persönliche Marathon- Reise antrat.

Um 7.30Uhr ging es in Großwallstadt los. Wir trafen Kalli, Tommy, Erich, Flo und Yvonne. Unser TVG Korso, rollte los in Richtung „Mainhatten.“ Bei Michael war keine Nervosität zu spüren, er freute sich richtig. Flo wirkte ruhig und besonnen und Yvonne war redselig- alles war wie immer. Ich saß stumm auf dem Beifahrersitz und zweifelte ein bisschen vor mich hin.

In Frankfurt angekommen gab es für uns und alle 15000 Marathonis viel zu tun: gefühlte 135000 mal auf Toilette gehen, noch schnell Heilwässerchen trinken und mit Zaubertinkturen einreiben. Diese hektische Atmosphäre trug nicht gerade zu meiner Beruhigung bei.

Die Zeit blieb nicht stehen- gegen 9.30Uhr mussten wir in unseren Block gehen. Schon auf dem Weg dorthin hatte ich einen Puls von 130. Inmitten dieser unglaublichen Menschenmasse stand ich nun. Die letzten Minuten mit Yvonne, Flo und meinem Michael vergingen blitzschnell. Der Startschuss setzte allmählich die Menschenflut aus bunten Shirts und unzähligen hüpfenden Köpfen in Gang. Die ersten Meter gingen wir vier noch gemeinsam, doch als genug Platz zum Joggen war, musste ich mich von Yvonne, Flo und Michael verabschieden. Ich küsste Michael und fühlte mich einsam inmitten von 15000 Menschen.

Die Wochen zuvor saugte ich alle Tipps auf wie ein Schamm auf. Jetzt war es an der Zeit sie anzuwenden: „Du musst den Lauf genießen und vor allem ruhig angehen“,  riet mir Maui. Die Stimmung auf den ersten Kilometern war überwältigend und traf mich wie ein Hammer. Mehrmals trieb es mir die Tränen in die Augen und ich musste mit meiner Fassung ringen, besonders als am Caritas Spendentor  meine Freundin Maike stand und mich anfeuerte, musste ich weinen. Zirka ab dem 8 Kilometer hatte ich mich jedoch wieder im Griff. Ich konnte das Laufen genießen und jeder Trommelschlag und jedes Anfeuern streichelte mich Meter für Meter weiter. Plötzlich fühlte ich mich richtig gut und meine Zweifel waren wie weggepustet. Die ersten 20Kilometer vergingen wie im Flug. Beflügelt von der tollen Stimmung und besonders von der Unterstützung durch die TVG- ler (Edith, Norbert, Markus, Steffi, Claus) am Straßenrand, meisterte ich diese ohne Probleme. Mir war klar, dass die zweite Hälfte kein Spaziergang werden würde. Wenn ich dieses Tempo beibehalten könnte, würde ich zirka bei 4.30Std in der Festhalle einlaufen- das wäre phantastisch. Die stimmungsvolle Innenstadt lag hinter mir und es wurde ruhiger auf der Strecke. Langsam ließ der „Rausch“ nach und ich konnte ein paar klare Gedanken fassen. Ich fragte mich wie es den anderen TVG-lern auf der Strecke so ergeht. Ich sorgte mich um meinen Michael, der als „kleiner Draufgänger“ bekannt ist und hoffte, dass  es allen gut geht.

Zum ersten mal nahm ich die Strecke und meine Mitstreiter bewusst wahr. Es gab einige kuriose Läufer um mich herum. So lief beispielsweise ein grüner „Hulk“, eine Hexe oder ein Läufer in Crocs an mir vorbei. Die Kilometer 20-30 waren  sehr beschwerlich für mich. In einer über weite Strecken trostlosen Gegend spürte ich nun auch Zeichen meines Körpers. Ein Muskel in meinem Gesäß, den ich bis dato noch nicht kannte, meldete sich zu Wort und auch meine Füße schmerzten ein bisschen. Wieder erinnerte ich mich an einen Rat- diesmal von Klaus vom Ausdauershop: „Wenn es in den Beinen schmerzt, musst du dich bewusst auf die Arme konzentrieren!“ Mit dieser Methode verschwanden meine „Wehwehchen“ und ich konnte die letzten 10 Kilometer angehen. Die Menschen, die mir Mut zusprachen und mich anfeuerten nahmen wieder zu. Ein Sprecher am Straßenrand rief: „und hier ist mit der Nummer F2743 Nadine Scheidler vom TV Großwallstadt!“ und viele Leute feuerten mich lautstark an. Gepuscht durch die Menschen am Rand visierte ich die 35 Kilometermarke an. Ich wusste, dass dort Michaels Eltern stehen und darauf freute ich mich sehr. Ich erwartete nicht, dass ich hier außerhalb noch ein bekanntes Gesicht erblicke. Doch da standen Edith und Norbert! Ich war sehr glücklich sie zu sehen. Sie berichteten mir auch, dass es allen gut geht und vor allem, meinem „Michi“! Gestärkt durch ihre Worte (und Ediths Cola) lief ich weiter. Ab jetzt schaute ich genauer in die Menge, denn ich merkte, dass auf den letzten Kilometern jeder Zuspruch wie Balsam für die Seele ist und ich wollte so viel wie möglich mitnehmen. An der alten Oper erblickte ich Michaels Opa, Schwerster und Mama. Ich freute mich riesig sieh zu sehen und ließ den Mann mit dem Hammer hinter mir. Als ich dann zirka bei Kilometer 38 noch Birgit sah, war ich nicht mehr aufzuhalten. Ich spurtete ihr nach und wir wünschten uns viel Glück. Langsam verschwand auch Birgit in der Ferne. Doch die vielen guten Worte von Edith, Norbert, den Grecos und Birgit hallten noch lange nach- so schaffte ich es zwischen Kilometer 30 und der 40 meine schnellste Durchschnittszeit zu laufen. Die letzten 2,195 Kilometer waren wie der Gang durch die Hölle. Meine Oberschenkel schmerzten so fürchterlich. Ich versuchte mit einer Yoga Methode die Schmerzen wegzuatmen- ohne Erfolg. Mir kam der Spruch „das Glück liegt gleich hinter den Schmerzen“ in den Sinn. Er stand auf der Postkarte, die den Anmeldeunterlagen beilag. In Voraus glaubte ich der Karte nicht und wollte es auch nicht glauben wenn mit Maui, Kalli, Thommy... von diesen Schmerzen berichteten. Es waren die schwersten und längsten 2 Kilometer meines Lebens!

Als ich die letzten 100 Meter zu „Eye of the tiger“ bis zur Festhalle zurücklegte, biss ich nochmal die Zähne zusammen uns spurtete so schnell ich konnte über den roten Teppich. Am Eingang zur Festhalle jubelte ich schon, denn ich wusste, dass mir dieses Erlebnis niemand mehr nehmen kann! Mit einer Zeit von 4.30 Stunden und 27 Sekunden überquerte ich die Ziellinie und wurde mit dem emotionalsten Moment meines Küken- Lebens ;) belohnt!

Überwältigt von meinen Gefühlen fing ich an zu weinen. Ich alleine habe diese diese mörderische Distanz zurückgelegt- ohne Pause!! Weinend lief ich direkt in die Arme meiner Freundin Maike, die im Namen der Caritas Rosen verteilte. Es tat so gut sie zu sehen. Sie freute sich mit mir und überreichte mir eine Rose. Sie zeigte mir wo ich Michael finde. In seinen Armen weinte ich wieder.... und so ging es weiter, bei jedem der mich beglückwünschte. Ich war völlig überwältigt, erschöpft und glücklich! Mit diesen Gefühlen war ich nicht alleine! Alle 12 Athleten sind heil und mit herausragenden Leistungen in die Festhalle eingelaufen!

Nun, nach zwei Tagen ist es Zeit um ein kleines Resümee zu ziehen: Das Erlebnis Marathon bei ist allgegenwärtig! Im Moment erlebe ich es sehr intensiv in meinen Oberschenkeln! Langsam realisiere ich, welche Leistung ich vollbracht habe! Immernoch treibt es mir Tränen in die Augen, wenn ich darüber Rede. Sogar beim Schreiben des Berichtes musste ich  weinen. Es war phantastisch und schmerzhaft zugleich!

Zum Schluss möchte ich mich noch ein paar Dankesworte loswerden!

Ich bin froh bei so einer tollen Lauftruppe gelandet zu sein, noch vor einem Jahr habe ich mit den Kilos gekämpft und konnte mir noch nicht im geringsten vorstellen einen Wettkampf zu bestreiten. Danke für die vielen Kilometer, die ich in euren Reihen mitlaufen durfte!

Besonderen Dank an Kalli, Tommy, Erich, Markus, Melanie, Flo, Dieter Bauer und besonders Maui und Yvonne, die mit mir die unzähligen Trainingskilometer absolvierten und mir mit vielen hilfreichen Tipps und Erfahrung zur Seite standen.

Auch Birgit möchte ich danken, die durch ihre Teilnahme an meiner Stelle in der Staffel, erst meine Teilnahme möglich gemacht hat.

Danke auch noch an alle, die mich auf der Marathonstrecke mit ihrer Anwesenheit und ihren Worten begleitet und unterstützt haben.

Vielen herzlichen Dank an Michael und Anne, die viel Geduld mit mir haben und mich oft aufbauen mussten!

Danke an alle, die zum Gelingen meines persönlichen Marathon- Projekts beigetragen haben!

Nadine